Jede Frau sollte meiner Meinung nach zum Beckenboden-Checkup. Ich hatte bei meinem ersten Beckenboden-Checkup tolle Aha-Momente, die ich heute mit dir teile.

Bisher wurde ich hier noch nie so privat, habe meine eigenen Probleme meist für mich behalten. Aber ich bin ja nicht aus einer fixen Idee heraus Beckenboden-Trainerin geworden, sondern wegen meines eigenen Bedarfs.

Was ist überhaupt ein Beckenboden-Checkup?

Im April war ich bei meinem ersten Beckenboden-Checkup – einer Rundum-Tastuntersuchung für den Beckenboden, die so anders und viel aufschlussreicher ist als die regelmäßige Gyn-Untersuchung. Es gibt auch Beckenboden-Checkups mit Ultraschall. 

Durchgeführt wird der Beckenboden-Checkup von spezialisierten Beckenboden Physiotherapeut*innen. Dort wird deine Beckenboden-Fitness untersucht:

– Kannst du deinen Beckenboden gut ansteuern?

– Wieviel Kraft hast du?

– Wieviel Ausdauer?

– Kannst du gut loslassen?

– Hast du Verspannungen?

– Ist die Schleimhaut gesund?

Manches davon kannst du natürlich auch selbst gut einschätzen, wenn du dich gelegentlich selbst untersuchst. Aber du kommst natürlich nicht an die tieferen Muskelschichten heran und du selbst hast natürlich auch keinen Vergleich.

Warum ich zum Beckenboden-Checkup gehe​

Ich trainiere regelmäßig für meinen Beckenboden, verhalte mich im Alltag beckenboden-freundlich und weiß wirklich mehr als die Durchschnittsperson zum Thema Beckenboden, trotzdem habe ich meine Herausforderungen rund um das Thema, ganz besonders jetzt nach der zweiten Schwangerschaft.

Von meiner eigenen Motivation für regelmäßiges Training habe ich schon öfter auf diversen Kanälen geschrieben:
Ich möchte mich nach der Geburt meines zweiten Kindes schneller wieder Beckenboden-fit fühlen als nach der ersten Geburt.

Das hat damals nach der Geburt meines ersten Kindes trotz Training 2,5 Jahre bis zu meinem Wohlfühl-Gefühl gedauert!

Sieben Monate nach der Geburt meines Babys ist mein Beckenboden zwar deutlich fitter als vier Wochen nach der Geburt, aber noch fern von meinem Wohlfühl-Gefühl.

Obwohl ich weiß wie gutes Beckenboden-Training funktioniert.
Obwohl ich regelmäßig trainiere.
​Obwohl es deutlich schlimmere Probleme gibt. (Oh oh, das ist so eine typische Frauen-Aussage. Unsere Probleme sind schlimm genug, dass wir dagegen etwas tun dürfen.)

Es ist zwar sehr häufig für Mütter, dass Beckenboden-Probleme nach einer Geburt länger anhalten, aber es ist nicht normal.
​Alles was uns einschränkt, darf verschwinden. Und Einschränkungen habe ich. Ich verzichte zum Teil morgens auf meinen Tee, damit ich mein Kindergartenkind sorgenfrei wegbringen kann.
​Also lasst uns gegen die Probleme etwas tun!

Meine Ziele für meinen Beckenboden-Checkup waren

  • Ich will herausfinden, was ich dabei lernen kann. Ich stehe einfach auf das Thema und will so viel wie möglich über meine Körperin wissen.
  • Ich will wissen, wie ich optimal für mich trainiere. Nach der ersten Schwangerschaft hatte ich gute Erfahrungen mit bewussten Anspannungsübungen gemacht. Da ich mittlerweile anders lehre und selbst trainiere (nach dem Restore Your Core® -Konzept), habe ich mich gefragt ob Anspannen und Loslassen sinnvoll für mich ist oder nicht. Denn zu viel des Guten führt eher zu Verspannungen und das will ich nicht. Ich will optimale Beckenboden-Ergebnisse.
    Spoiler: Für mich ist Anspannen-Loslassen nicht wichtig, aber anscheinend auch nicht schlimm.
  • Ich wurde letztes Jahr von einem Hersteller eines Beckenboden-Trainingsgerät mit App-Unterstützung gefragt, ob ich es testen möchte. Da ich selbst immer wieder betone wie wichtig es ist, zuvor den Beckenboden-Zustand zu kennen, halte ich mich natürlich auch selbst daran und finde erst heraus, ob es für mich geeignet ist.
    Solche Geräte (Emy, Elvie, Perifit etc.) eignen sich zum Beispiel für dich, wenn du gar kein Gefühl für den Beckenboden hast oder um Kraft aufzubauen. Bei stark verspanntem Beckenboden würde ich es nicht nutzen. Fazit für mich: Ich brauche es nicht, denn meine Beckenboden-Kraft ist gut und ich kann ihn auch gut ansteuern. Aber solche Beckenboden-Trainer würden mir wahrscheinlich auch nicht schaden, wenn ich mich ausreichend auf Entspannung konzentriere.
  • Ich möchte mein Training und weitere Hilfsmittel optimieren, damit ich in Zukunft ohne Einlagen das Haus verlassen kann. Ja, ich, die Trainerin für den Beckenboden trägt Inkontinenz-Einlagen. (Übrigens wechsle ich zwischen waschbaren Einlagen von Almo und Einmaleinlagen von Facelle je nach Tagessituation.)
    Peinlich? Im Moment brauche ich sie eben, denn ich bin viel auf den Beinen. Ganz besonders wichtig sind die Einlagen, wenn ich mein schweres Baby trage. Immerhin schläft es mittlerweile auch gut im Kinderwagen. Aber ich weiß, dass Kundinnen von mir die Einlagen durch regelmäßiges Training schon weglassen konnten, deshalb bin ich ganz zuversichtlich.

Ich möchte durch den Beckenboden-Checkup erfahren:

Muss ich anders trainieren für bessere Ergebnisse?

Muss ich einfach lange genug (2,5 Jahre!? 🙈) durchhalten und genauso weitermachen?

Welche Übungen sind optimal für meine Situation?

​Liegt mein Problem überhaupt an den Übungen oder brauche ich andere Hilfsmittel?

Was ich beim Beckenboden-Checkup erfahren habe

Ich habe beim Beckenboden-Checkup nicht nur Antworten auf genau meine Fragen gefunden, sondern noch mehr große Aha-Momente gehabt.

​Zum Beispiel meinen Harnröhrenverschluss zum ersten Mal richtig gespürt. Mega-Gefühl! Wie sollst du ihn spüren, wenn dir niemals jemand gezeigt hat, wo er ist?

Woher weißt du, was „richtiges“ Anspannen und Loslassen ist? Manche Frauen drücken ihren Beckenboden auch nach außen, obwohl sie denken sie ziehen ihn nach innen.

Mein wichtigstes Ergebnis vom Checkup: Der Beckenboden ist super, die Kraft ist super.
Geräte wie Perifit, Elvie, Emy und Co. benötige ich nicht, denn ich kann meinen Beckenboden ansteuern, korrekt anspannen und loslassen (wobei beim Loslassen teilweise noch Verbesserungsbedarf besteht) und die Kraft ist auch wunderbar.
Meine Probleme sind anderer Natur und werden vom Anspannen nicht besser.
Mein Ganzkörper-Training ist also perfekt so für mich wie es ist, es macht meinen Beckenboden fit und trotzdem habe ich weiterhin Beschwerden.

Zum Beispiel habe ich herausgefunden, dass ich gewisse Verspannungen habe – an einer Seite im Beckenboden und an der anderen Seite im Hüftmuskel.
Ich habe es vermutet, zum Beispiel wegen meiner Lieblings-Körperhaltung, auch wegen meiner eher angespannten Natur und weil mir gewisse Übungen ganz besonders gut tun.

Das bedeutet für mich: Ich weiß jetzt genau, welche Übungen für mich besonders wichtig sind. Im Gruppentraining mache ich sowieso schon häufig Einheiten für eine bewegliche Hüfte und für ein aufgerichtetes Becken. Für mich selbst werde ich diese Einheiten jetzt häufiger turnen.

Außerdem werde ich wieder zur Physiotherapie gehen, um diese Verspannungen manuell behandeln zu lassen und ich lege mir selbst einen Pelvic Wand – einen Beckenboden-Massagestab – zu, um Triggerpunkte zu lösen.
Zusätzlich mache ich bewusste Entspannungsübungen, die Stress und die Hüftbeuger-Muskulatur lösen.

Als zusätzliches Hilfsmittel gegen meine Drangproblematik habe ich mir ein Rezept für ein Pessar geben lassen. Das ist ein Silikon-Stück, das vom Körperinneren meine Gebärmutter stützt, damit ich nicht mehr so häufig zur Toilette muss.
Ich trage es jetzt wenige Tage und muss sagen: Es lohnt sich so sehr!
Ich bin viel auf den Beinen und kann jetzt zum Beispiel zum Frühstück Tee trinken, dann meine Tochter zum Kindergarten bringen und anschließend sogar noch einkaufen gehen oder das Baby zum Schlafen lange im Kinderwagen herumschieben.
Das geht nur, wenn ich es wirklich aushalte so lange nicht auf Toilette zu gehen.

Hier ist ein Foto von meinem Pessar Restifem, das in Folge von Problemen nach der Schwangerschaft auch von den Krankenkassen bezahlt wird:

 

Pessar Restifem

 

Ich weiß jetzt genau, wie ich meinen Harnröhren-Verschlussmuskel ansteuere. Zuvor war es ein Raten, wie ich anspannen muss, um noch länger auszuhalten bevor ich zur Toilette gehe.
Beim Beckenboden-Checkup hat mir die Physiotherapeutin genau gezeigt wo der Muskel liegt – den wir ja nicht sehen können, weil er im Körper liegt. Aber sehr wohl spüren.

Außerdem habe ich meinen Horizont zu Cremes rund um den Intimbereich deutlich erweitert und gönne mir jetzt bei der Körperpflege einfach noch ein klitzekleines bisschen mehr Zeit.

 

Drei Cremes zur Intimpflege: Vagisan, Kadefungin, Deumavan

Warum ein Beckenboden-Check für dich sinnvoll ist?

​Weil wir alle so individuell sind. Meine Probleme sind nicht deine Probleme. Wir wissen als Laien einfach nicht, ob unser körperlicher Status normal oder sogar optimal ist, denn wir haben keinen Vergleich. Vielleicht nimmst du deine Probleme gar nicht als solche wahr und vielleicht kann es dir noch viel besser gehen mit der richtigen Pflege.  Ich empfehle einen Checkup natürlich sowieso, wenn du Probleme hast. Aber auch, wenn du noch keine hast.

Für mich ist der Beckenboden-Check der Start für regelmäßige Beckenboden-Pflege. Ich werde in Zukunft regelmäßig eine Beckenboden-Behandlung buchen. Zur Kontrolle für den Status und zum Lösen von verspannten Muskeln – so wie ich auch regelmäßig zur Kontrolle bei meiner Zahnärztin gehe, selbst wenn ich keine Beschwerden habe. Das kann man bei Beschwerden natürlich über ein Gyn-Rezept regeln. Ein einzelner Behandlungstermin ist auch bezahlbar (Checkup (1h mit Anamnese) war bei mir 120 €, Behandlung 20 min für 40 €). Und sollte es uns einfach wert sein.

Wieviel Geld hast du zum Beispiel schon in die Gesundheit oder einfach in den Spaß deiner Kinder investiert? Du darfst auch in DEINE Gesundheit investieren.

Wie du die* richtige* Therapeut*in findest

Ganz viele von euch in einem meiner Newsletter auf den Link zur Therapeut*innen-Liste der AG GGUP geklickt, das Thema trifft also einen Nerv. Auf der Liste findest du spezialisierte Beckenboden-Physios, die einen Beckenboden-Checkup anbieten können, und zwar nach PLZ sortiert. Es gibt auch eine spezielle Liste für Kinder-Beckenbodentherapeut*innen. Dort fragst du einfach nach einem Beckenboden-Check.

VIDEO: Beckenboden-Schnack mit Aimée Riecke und Regina Schmitt: Unsere persönlichen Erfahrungen mit dem Beckenboden-Checkup

Ich kenne Beckenboden-Trainerin Aimée Riecke seit unserer Restore Your Core® Ausbildung und wir tauschen uns immer mal wieder aus – auch über unsere persönlichen Beckenboden-Sorgen und Erfahrungen.

Hier im Video plaudern wir (sehr lange ;D) über unsere tollen Erfahrungen bei unterschiedlichen Checkups. Schau mal rein und schreibe uns gerne deine Gedanken und Fragen dazu in die Kommentare!